Genossenschaft statt Immobilienspekulation:
Die “Lause” sucht Unterstützer*innen

Immer häufiger gründen Mieter*innen, die ihre von Verkauf bedrohten Häuser selbst übernehmen wollen, eine Genossenschaft. Aktuelles Beispiel: die Häuser Lausitzer Straße 10 & 11. In 2016 wurde bekannt, dass die Wohn- und Gewerbehöfe verkauft werden sollen. Die 150 Bewohner*innen und Nutzer*innen entschieden sich, gemeinsam mit anderen vom Verkauf bedrohten Projekten eine Genossenschaft zu gründen – und das Haus zu kaufen. Denn “die Gründung einer Genossenschaft war für uns die beste Möglichkeit, das Haus dem Markt langfristig zu entziehen und eine Rechtsform zu haben, die unseren Vorstellungen von basisdemokratischen Entscheidungs- und Aushandlungsprozessen am nächsten kommt.” Inzwischen ist die “Lause 10 & 11” ihrem Ziel ziemlich nahe gekommen. Aber noch ist der Kaufpreis nicht finanziert. Die “Lause” sucht dringend Menschen, die als investierende Genoss*innen Anteile erwerben.

Hier ihr Bericht:

Wir, die Lause 10 & 11

Im Dezember 2016 erfuhren wir, dass unser Haus, d.h. die Gebäude Lausitzer Straße 10/11, am freien Markt angeboten und verkauft werden sollten. Damals wurde im Exposé der Maklerfirma für das Objekt ein Kaufpreis von etwa 20 Millionen Euro veranschlagt. Egal wer das Haus zu diesem Preis gekauft hätte: für uns hätte es eine Mietsteigerung bedeutet, die uns alle über kurz oder lang aus dem Haus gedrängt hätte. Nach langen Verhandlungen mit dem Hausbesitzer, Gesprächen mit dem Berliner Senat, Politiker*innen und zahlreichen Aktionen, um den öffentlichen Druck zu erhöhen sind wir weit gekommen: wir, die Bewohner*innen und Nutzenden des Hauses, kaufen das Haus! Hierfür gründen wir aktuell eine Genossenschaft.
Die beiden denkmalgeschützten Häuser wurden Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und beherbergen seitdem eine Mischnutzung von großen Gewerbehöfen und Wohneinheiten. Als Paradebeispiel der »Berliner Mischung« , die auf knapp 3.000 qm Grundstücksfläche und 4.000 qm Nutzfläche aktuell über 150 Menschen Wohn- und Arbeitsraum bietet. Über zwei Dutzend Projekte, kleine und mittelständische Unternehmen sowie sozio-kulturelle Einrichtungen haben hier ihren Sitz.

Der Stadtteil

Die Lause ist Teil eines in Jahrzehnten gewachsenen, solidarischen, sozialen Stadtteilnetzwerkes mit Beziehungen in viele andere Städte und Länder auf der ganzen Welt. In den letzten Jahren hat der Druck auf solche vielfältigen Mikrokosmen in Berlin aufgrund explodierender Immobilienpreise stetig zugenommen. Die Initiative Lause Bleibt! wehrt sich gemeinsam mit anderen Kiez-Initiativen gegen den Verkauf vieler Häuser im Stadtteil auf dem freien Markt und fordert eine Lösung, die es allen Mieter*innen ermöglicht, langfristig in den jeweiligen Häusern zu wohnen bzw. zu arbeiten.
Es geht in diesem Fall nicht nur um eine Sicherung von Wohn- und Arbeitsorten. Es geht um Nachhaltigkeit, sozialen Frieden und ein solidarisches Miteinander in einer Stadt der Vielfalt.


Den Boden dauerhaft der Spekulation entziehen
“Das ist das Ziel unserer „Eine für alle“ Dachgenossenschaft. Der aktuellen Wohnungsmarktsituation in Berlin wollen wir andere, gemeinschaftliche Konzepte gegenüber stellen. Anders sind bezahlbare Mieten und Gewerbehöfe mit der “Berliner Mischung” nicht zu sichern. Unsere Genossenschaft steht für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung: eine kooperative Bewirtschaftung im Sinne der Nutzer*nnen und zugleich einen qualitativen Mehrwert für den Kiez schaffen. Als investierende Genoss*innen könnt ihr uns dabei unterstützen.”


Raum für alle!

Unsere Vision ist es, mit den Häusern eine langfristige Perspektive zu schaffen. Unser klares Ziel ist es, die aktuelle Mieter*innenstruktur sowie die Kombination von Wohnen und Arbeiten zu erhalten. Das ist noch ein weiter Weg.
Für eine offene und demokratische Gesellschaft sind Räume und Projekte wichtig, in denen Menschen ihren Handlungsspielraum nutzen können und positive Erfahrungen in demokratischen Prozessen machen. Für uns sind das Recht auf Mitbestimmung und das Prinzip der Selbstverwaltung zentral. Wir als Mieter*innen müssen die garantierte Möglichkeit haben, Entscheidungen zur Zukunft der Häuser zu treffen und uns in die damit verbundenen demokratischen Prozesse einzubringen.

Wir sind Viele – unsere Genossenschaft

Die Gründung einer Genossenschaft war für uns die beste Möglichkeit, das Haus dem Markt langfristig zu entziehen und eine Rechtsform zu haben, die unseren Vorstellungen von basisdemokratischen Entscheidungs- und Aushandlungsprozessen am nächsten kommt. Im Gründungsprozess haben wir viel von anderen Genossenschaften, Hausprojekten und Hausvereinen gelernt und von ihrer Expertise profitiert.
Wir sind auf der Zielgeraden. Nach der Einigung mit dem Eigentümer und der Zusage für die Finanzierung des Ankaufs durch die Triodos Bank sind wir nun in Verhandlungen mit dem Land Berlin über die Höhe des Erbbauzinses. Um das alles stemmen zu können, müssen wir einen Eigenanteil von mindestens einer Million Euro aufbringen. Etwa zur Hälfte wird dieser durch die Hausgemeinschaft aufgebracht. Für die andere Hälfte sind wir auf Unterstützung angewiesen: das sind unsere investierenden Genoss*innen.
Und davon brauchen wir noch mehr. Als investierende Genoss*in hilfst du uns Kiezstrukturen zu erhalten, antirassistischen Organisationen eine langfristige Perspektive zu bieten, selbstverwaltete Räume zu sichern und du legst dein Geld krisenfest an.”

Alle Infos dazu und zum Haus: https://lause10.de oder www.einefueralle.berlin

 

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