1892: Wo bleibt die Geschlechtergerechtigkeit?

Zur Situation bei 1892 erreichte uns folgende Zuschrift:

“Zur Nachricht über die Wohnungsbaugenossenschaft 1892 eG möchte ich noch einen Aspekt anmerken, der leider in vielen Genossenschaftsinitiativen nicht für so wichtig erachtet wurde, auch nicht in der Genossenschaft von Unten, die immer Anderes zu tun gedachte, als sich auch in Wohnungsgenossenschaften für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen.

In der 1892 eG gibt es mittlerweile den dritten männlichen Vorstand. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende ist männlich und die einzige Frau, die zur Wahl stand für einen Vorstandsposten, hatte in diesen verkrusteten Strukturen keine Chance. Ich hoffe, bei Genossenschafter*innen ist diese Thematik nicht nur Nebensache, sondern ein Grund, sich auch an den Aktionstagen im September 2020 für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Gerade in Wohnungsgenossenschaften böten sich so viele Möglichkeiten, neue humanere Modelle der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit zu erproben, was in skandinavischen Ländern schon getan wird.

Es ist doch keine Kleinigkeit, wenn die Hälfte der Menschheit aus Führungsfunktionen regelmäßig ausgegrenzt wird, und dies geschieht nicht nur bei DAX-Konzernen, sondern gerade auch bei Wohnungsgenossenschaften. Dennoch, falls dieser Einwand kommen sollte: Es reicht nicht aus, nur Frau zu sein, es muss auch ein Bewusstsein für die großartige Idee von Genossenschaft vorhanden sein. Leider reproduzieren auch viele Frauen, wenn sie denn Führungspositionen erreichen, wieder alt hergebrachte Muster.

Ich hoffe, es ist auch eine Nachricht wert, dass Genossenschaften meiner Meinung nach auch in ihren Satzungen eine Frauenquote brauchen, da die Herren nicht bereit sind, freiwillig zu gehen.”

W. (Name der Red. bekannt)

Materialien zum Alternativen Genossenschaftstag

Auf dieser Seite dokumentieren wir alles rund um den Genossenschaftstag – Papiere, Pressemitteilungen, Presseberichte. Die Seite wird fortlaufend aktualisiert.

Presseberichte zum Alternativen Genossenschaftstag

  • “Zurück an die Basis, Genossen! Genossenschafter vernetzen sich für eine gemeinwohlorientierte Wohnraumversorgung” – Unter dieser Überschrift berichtete das nd am 25.9. ausführlich über den Genossenschaftstag. Den ganzen Text finden Sie HIER
  • “Wohnraum für Alle in Genossenschaften? Was können Berliner Wohnungsgenossenschaften zu einer sozialen Wohnungspolitik beitragen?” fragte Elisabeth Voß fragte Elisabeth Voß in der Freitag Community. Ein lesenswerter Bericht zur Situation der Genossenschaften in Berlin aus Anlass des Alternativen Genossenschaftstages. Den Text finden Sie HIER
  • “Alternativer Genossenschaftstag deckt gravierende Mängel auf.” Unter dieser Überschrift berichten Die Genonachrichten aus Workshop 3: HIER
  • “Alternative Day of Cooperatives: Cooperatives need more democracy” in RIPESS: LINK
  • Bericht vom Alternativen Genossenschaftstag in pressenza – International Press Agency: LINK

Pressemitteilungen der GENOSSENSCHAFTER*INNEN

Sonstige Materialien

Das Programm

Freitag, 25. September ab 19 Uhr:
Podiumsdiskussion: „Die Rolle der Wohnungsgenossenschaften auf dem Weg zu einer sozialen Wohnungspolitik“ (Livestream)

Wohnungsgenossenschaften als Selbsthilfeorganisationen der Mitglieder können eine echte Alternative zu profitorientierten Immobilienunternehmen sein. Jedoch schöpfen sie ihre Potenziale bisher viel zu wenig aus. Wie können sie einen Beitrag zur sozialen Wohnraumversorgung mit bezahlbaren Mieten leisten und was könnte die Berliner Politik und Verwaltung zur Hebung genossenschaftlicher Potenziale beitragen? Darüber diskutieren:

Bea Fünfrocken

Elektrikerin und Reparaturhandwerkerin
XENION (psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte) e.V., Projektstelle Wohnraum für Geflüchtete
Aufsichtsrätin der WBG “Am Ostseeplatz eG”
Mitgründerin der Genossinnenschaft Schokofabrik eG (dort 10 Jahre im Ausichtsrat)

Andrej Holm

Stadtforscher (Humboldt Universität)

Werner Landwehr

Mitgründer und Vorstand DIESE eG
Vorstand und Geschäftsführung Forum Kreuzberg
2008 – 2019 Leiter GLS Bank Berlin
Mitarbeit diverse NGO

Moderation: Elisabeth Voß

Die Veranstaltung wird als Livestream durchgeführt. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Alle Informationen zum Livestream finden Sie hier.

Mitdiskutieren ist möglich! Fragen und Kommentare können über die Mail-adresse genosssenschaftstag@genossenschafter-innen.de oder über Telefon (01520-2579405) eingereicht werden.

Samstag, 26. September 12 – 14 Uhr:
Die Workshops

Die Veranstaltungsorte werden wir demnächst hier veröffentlichen. Die Workshops sind kostenfrei. Wegen der Coronaregeln sind die Teilnehmer*innenzahlen für die Workshops begrenzt. Wir bitten um Verständnis, dass nur angemeldete Interessent*innen teilnehmen können.

Zur Anmeldung schicken Sie bitte eine email mit Angabe des Namens, der email-Adresse und des gewünschten Workshops an: info@genossenschafter-innen.de

Sie erhalten eine Teilnahmebestätigung sowie Informationen zum Ort der Veranstaltung. Ohne diese Bestätigung ist eine Teilnahme leider nicht möglich. Außerdem weisen wir schon jetzt darauf hin, dass wir aufgrund der Pandemie-Regeln persönliche Daten der Teilnehmenden erfassen und vier Wochen aufbewahren müssen.

Workshop 1: Inwieweit verbinden Wohnungsgenossenschaften ihr wirtschaftliches Handeln mit sozialer Verantwortung für die Gemeinschaft?

Der Workshop wird gemeinsam vorbereitet und durchgeführt von Bea Fünfrocken (XENION Wohnraum für Geflüchtete), dem AK Wohnungsnot (obdachlose Menschen) und Hestia Wohnraumversorgung (für Frauen die von häuslicher Gewalt betroffen sind). Welche Erfahrungen machen sie mit Wohnungsvermittlungen in Wohnungsgenossenschaften, wo gibt es strukturelle Zugangsbarrieren seitens der Wohngenossenschaften? Welche Diskussionen kennen Mitglieder in ihren eigenen Wohnungsgenossenschaften zur Wohnungsvergabe? Ziel ist, die Diskussion und Erarbeitung von Vorschlägen wie den Vorbehalten seitens der Wohnungsgenossenschaften kreativ begegnet werden kann.

Moderation: Bea Fünfrocken

Workshop 2: Demokratie in Genossenschaften: Anspruch und Wirklichkeit

Genossenschaften gelten als grundsätzlich demokratisch. Aber wie sieht es in der Wirklichkeit damit aus? Worüber können die Mitglieder und deren Vertreter*innen wirklich entscheiden? Hierüber soll es Informationen und einen Austausch geben. Wir werden auch dabei die Satzungen von Genossenschaften und die Empfehlungen des GdW (Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.) kritisch unter die Lupe nehmen.

Moderation: Thomas Schmidt

Workshop 3: Genossenschaften und stadtpolitische Bewegung(en)

Die Auseinandersetzungen um den Mietendeckel in 2019 haben zu einer Polarisierung in den Genossenschaften geführt. Während Dachverbände und viele Vorstände Seit an Seit mit der Immobilienwirtschaft gegen den Deckel mobilisierten, kam aus der Mitgliedschaft Widerspruch in mehreren offenen Briefen, kritische Genossenschaftsmitglieder und Netzwerke gingen gemeinsam mit den mietenpolitischen Initiativen für den Mietendeckel und für eine solidarische Wohnungspolitik auf die Straße. Wie können diese zarten Ansätze von Zusammenarbeit vertieft werden? Was können diese Genossenschafter*innen von den mietenpolitischen Bewegung lernen? Welchen Beitrag können sie leisten für eine solidarische Wohnungspolitik? Darüber wollen wir in diesem Workshop mit
Vertreter*innen stadtpolitischer Initiativen diskutieren.

Moderation: Ralf Hoffrogge, Günter Piening

Praxisworkshop 4: Organizing in Genossenschaften: Wie aktivieren und vernetzen wir die Mitglieder in unseren Genossenschaften?

Es gibt mittlerweile viele in den unterschiedlichen Genossenschaften, die aktiv werden und sich vernetzen wollen. Dabei ist es jedoch oft unklar, wie man so eine Vernetzung und Aktivierung in der eigenen Genossenschaft angehen kann. Der Workshop soll einige praxisnahe Vorschläge hierzu aufzeigen. Damit hängt oft auch die Frage eng zusammen, was man mit der Organisierung der Genossenschaftsmitglieder erreichen will und kann. Was sinnvolle Ziele sind und was sich eher schlechter realisieren lässt, soll ebenso Teil des Workshops sein.

Moderation: Heiner Koch, Rupay Dahm

 


Das für 15 Uhr geplante Open-Air-Abschlusstreffen fällt wegen Regen aus.
Dafür gibt es ein Folgetreffen am 21. Oktober um 19 Uhr. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

 

Es ist soweit: Alternativer Genossenschaftstag
am 25. und 26. September

Demokratie in Genossenschaften und die Rolle der Genossenschaften für eine soziale Wohnungspolitik sind Schwerpunktthemen des "Alternativen Genossenschaftstags" am 25. und 26. September. Bei der Auftaktveranstaltung am 25.9. diskutieren Bea Fünfrocken (Xenion), Werner Landwehr (DIESE eG) und der Stadtforscher Andrej Holm über "Die Rolle der Wohnungsgenossenschaften auf dem Weg zu einer sozialen Wohnungspolitik “. In den Workshops am 26.9. werden Themen wie die Überwindung undemokratischer Strukturen in Wohnungsgenossenschaften oder die Zusammenarbeit zwischen Mieter*innenbewegung und Genossenschaften behandelt. Ziel des Alternativen Genossenschaftstages ist es, die Werte der ursprünglichen Genossenschaftsbewegung - Selbstverwaltung und Solidarität - wieder zur Richtschnur der Wohnungsgenossenschaften zu machen und stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.

Bitte beachten: Das für Samstag um 15 Uhr geplante Open-Air-Abschlusstreffen in der Admiralstraße fällt wegen Regen aus.
Dafür gibt es ein Folgetreffen am 21. Oktober um 19 Uhr. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Appell: Mehr “Lompscher” in der Stadtentwicklungspolitik

Nach dem Rücktritt von Katrin Lompscher haben sich verschiedene Initiativen aus der Mietenbewegung für “Kontinuität und Zuspitzung” in der Berliner Wohnungspolitik ausgesprochen. In einer Stellungnahme fordern sie die Fortsetzung des mieter*innenfreundlichen Kurses der ehemaligen Senatorin für Stadtentwicklung und den Ausbau der Kommunikation mit stadt- und mietenpolitisch Aktiven. Die Wiederbelebung des Sozialen Wohnungsbaus, die Verpflichtung der Landeswohnungsunternehmen auf Mietenbegrenzung, Vorkaufslösungen, der Schutz des lokalen Gewerbes und nicht zuletzt eine Ausweitung der Mieter*innenbeteiligung sind Aufgaben, die beharrlich auch gegen den Widerstand der Immobilienwirtschaft fortgeführt werden müssen.

Auch DIE GENOSSENSCHAFTER*INNEN haben die Stellungnahme unterzeichnet und machen damit deutlich, dass soziale Stadtentwicklungspolitik ein gemeinsames Interesse von Mieten-Initiativen und vielen Mitgliedern aus Wohnungsgenossenschaften ist.

Der genaue Wortlaut der Stellungnahme und die Liste der Unterstützer*innen ist hier zu finden: https://www.bizim-kiez.de/blog/2020/08/11/stellungnahme-nach-ruecktritt-katrin-lompscher/

Der Mietendeckel wirkt – auch bei 1892

Der Vorstand der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 gehörte im letzten Jahr zu den lautesten Gegnern des Mietendeckels und hatte über seine Tochter Gilde Heimbau die Plakatkampagne der Marketinginitiative Genossenschaften e.V. (“die mit den Bauklötzchen”) mit angeschoben. Nun legte er in seiner Mitgliederzeitung eine erste interessante Bilanz des Mietendeckels vor: Für ca. 1200 Wohnungen mussten die Nutzungsentgelte gesenkt werden. Die finanzielle Belastung für die Bewohner*innen sank um rund 30.000 €/Monat. Wir zitieren: “Es fallen 5700 Wohnungen unter den Anwendungsbereich des MietenWoG. Bei 956 Wohnungen, die von Juli 2019 bis Februar 2020 eine Erhöhung der Dauernutzungsgebühr erhielten, wurden die Mieten reduziert, insgesamt um 21.568,96 € monatlich. (…) 257 Wohnungen (sind) von einer überhöhten Miete – der sogenannten “Wuchermiete” – betroffen, diese werden dann aktiv um insgesamt 9.370,53 €/Monat abgesenkt.”

(Quelle: 1892 aktuell).

“Die Genossenschafter*innen” auf der Straße

“Shutdown Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle”- dafür gingen am 20. Juni rund 1500 Menschen auf die Straße. In strömendem Regen ging es vom Potsdamer Platz zum Jugendzentrum Drugstore, das der Gentrifizierung zum Opfer gefallen ist. Es war auch eine Premiere für DIE GENOSSENSCHAFTER*INNEN – denn erstmals trat die Initiative mit einem eigenen Banner auf. (mehr …)

Grüße von den Bahamas

Das 2017 eingeführte Transparenzregister sollte für mehr Transparenz auf dem Berliner Immobilienmarkt sorgen. Wie eine aktuelle Recherche der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt, hat es bisher diese Aufgabe nicht erfüllt. Anhand einer Auswahl von über 400 Gesellschaften, die in Berlin Immobilien besitzen, und 15 illustrativen Beispielen belegt diese Studie, wie groß das Problem von anonymen Immobilieneigentümern und intransparenten Eigentümerstrukturen in der Stadt ist. Die Studie gibt es HIER

 

Aktionen und Offene Briefe: „Nicht in unserem Namen“

2018/19 starteten Genossenschaftsvorstände und die Dachverbände eine massive Öffentlichkeitskampagne  gegen Mietendeckel und Enteignungskampagne. Das blieb nicht  unwidersprochen bei den Genossenschaftsmitgliedern. “Keine Lobbyarbeit für Immobilienkonzerne” – in Aktionen wie der Protestaktion anläßlich des parlamentarischen Abends des BBU am 22. August (Foto) brachten sie ihren Protest auf die Straße. In drei “Offenen Briefen” erläuterten sie ihre Kritik. Wir dokumentieren sie hier:

März 2019:  Offener Brief “Nicht in unserem Namen”

Juli 2019: Offener Brief zu den aktuellen Kampagnen unserer Dachverbände gegen eine soziale Mietenpolitik in Berlin

Oktober 2019: Genossenschaftsmitglieder für Mietendeckel

Bessere Unterstützung für Genossenschafter*innen mit WB-Schein

Der Senat hat am 10. März auf Vorlage der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, die Verordnung über die Abweichung von den Einkommensgrenzen des § 9 Absatz 2 des Wohnraumförderungsgesetzes erlassen.

Senatorin Lompscher: „Die aktualisierte Verordnung berücksichtigt alle in Berlin bestehenden Wohnungsbauförderungen, insbesondere nunmehr auch die Förderung genossenschaftlichen Wohnens. Das betrifft zum einen Haushalte, die – insbesondere geförderten – Wohnraum einer Genossenschaft in Berlin beziehen möchten und als Voraussetzung dafür Geschäftsanteile dieser Genossenschaften erwerben müssen. Die Höhe der Geschäftsanteile kann je nach Genossenschaft variieren, wobei bei jüngeren Genossenschaften im Regelfall höhere Beträge zu zahlen sind. Zum anderen werden Berliner Genossenschaften aufgerufen, Projekte einzureichen, die insbesondere durch Neubau oder Bestandserweiterung zur Stärkung des Genossenschaftswesens in Berlin beitragen und durch die bereitgestellte Förderung dabei unterstützt werden.“

Voraussetzung im Rahmen der Gewährung der vorgenannten Förderungen ist u.a. bei der Überlassung einer geförderten Wohnung die Vorlage eines Wohnberechtigungsscheins. Das maßgebliche Einkommen kann dabei nun bezogen auf die unterschiedlichen Förderungsbedingungen bis zu 80 Prozent über der Bundeseinkommensgrenze des § 9 Absatz 2 des Wohnraumförderungsgesetzes liegen.

Im Ergebnis gibt es damit in Berlin weitere einkommensabhängige Möglichkeiten für die Erteilung eines Wohnberechtigungsscheines. Damit wird auch zur sozialen Durchmischung der Wohnquartiere und Stabilisierung der Bewohnerstruktur beigetragen.

Quelle: Senats-Pressemitteilung vom 10.03.2020

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