Wohnungsgenossenschaften in den Wahlprogrammen 2026: Grüne, SPD und Linke im Vergleich

Wie wollen die Parteien Genossenschaften stärken, welche Rolle sollen Genossenschaften im Wohnungsmarkt spielen? Ein Gang durch die Parteiprogramme von SPD, Grünen und Linken (das CDU-Programm lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor) zeigt: Alle drei Parteien befürworten genossenschaftlichen Wohnungsbau und Erbbaurecht als zentrales Förderinstrument — die Grünen mit einem eigenständigen und strukturell ausgearbeiteten Konzept, die SPD mit dem Schwerpunkt auf Volumen (100.000 Wohnungen), die Linke mit einem Reformansatz zur Entkoppelung der Förderung von der Rechtsform und dem überraschenden Vorschlag für einen Studiengang zur gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Der grundlegende Unterschied: Für die Grünen sind Genossenschaften ein ordnungspolitisches Leitmodell, für die SPD ein Baupartner, für die Linke ein ergänzendes Instrument neben staatlicher Kontrolle und Vergesellschaftung.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Genossenschaftspakt

Die Grünen haben das umfangreichste und differenzierteste Genossenschaftsprogramm der drei Parteien. Genossenschaften erhalten eine eigenständige strategische Rolle. Das Fernziel ist ein mehrheitlich gemeinwohlorientiert ausgerichteter Wohnungsmarkt nach Wiener Vorbild. Genossenschaften werden dabei als dritte Säule neben den Landeseigenen Wohnungsunternehmen und gemeinwohlorientierten privaten Vermietern definiert.
Die Grünen wollen mit einem „Genossenschaftspakt Berlin“ gemeinsam mit Genossenschaften und gemeinwohlorientierten Trägern einen Maßnahmenplan für Bürokratieabbau, Projektfinanzierung und Grundstückszugang entwickeln. Bestehende genossenschaftliche Initiativen, die vor der Realisierung stehen, sollen finanziell abgesichert werden. Es soll ein Förderprogramm mit ausreichender Planungssicherheit aufgelegt und städtische Flächen per Erbbaurecht zu dauerhaft niedrigen Festzinsen für Genossenschaften bereitgestellt werden.
Zur Förderung der Genossenschaftsbewegung soll eine beratende Koordinierungsstelle gegründet, ein „Gemeinwohlprinzip“ in die Vergabeordnung aufgenommen, Bürgschaften für junge Genossenschaften geprüft und das Mietshäuser-Syndikat in Förderprogramme aufgenommen werden.
Unter dem Motto „Boden für Gemeinwohl“ soll ein festgelegter Anteil landeseigener Grundstücke vorrangig an Genossenschaften per Erbbaurecht zu vergünstigten Konditionen vergeben werden — mit der Besonderheit: Je sozial-ökologischer die geplante Nutzung, desto geringer der Erbbaurechtszins.
Genossenschaftliches Wohnen als Altersvorsorge: Die Grünen wollen Genossenschaften als gleichwertige Altersvorsorge-Alternative zur Eigentumswohnung positionieren und Menschen mit niedrigeren und mittleren Einkommen beim Erwerb von Genossenschaftsanteilen unterstützen — mit dem erklärten Ziel, sie dauerhaft vor steigenden Wohnkosten im Alter zu schützen.
Mieterschutz und Genossenschaftliche Immobilienagentur: Die Genossenschaftliche Immobilienagentur Berlin-Brandenburg (GImA) sowie bezirkliche Strukturen sollen gestärkt werden, um Mieterinnen und Genossenschaften beim gemeinschaftlichen Erwerb von Wohnungen zu unterstützen — als Schutzinstrument gegen Umwandlungen und Eigenbedarfskündigungen.

DIE LINKE: Genossenschaften als wichtige Ergänzung

Genossenschaften spielen eine deutlich untergeordnete Rolle, der entsprechende Abschnitt im Kapitel Wohnen ist kurz gefasst. Der klare Schwerpunkt liegt auf Landeseigenen Wohnungsunternehmen, Vergesellschaftung und staatlicher Regulierung. Genossenschaften sind bei der Linken komplementäre Akteure, die den Hauptpfeiler der Landeseigenen Wohnungsunternehmen (400.000 Wohnungen) und das Ziel der Vergesellschaftung privater Großkonzerne (220.000 Wohnungen) ergänzen, aber nicht eigenständig im Zentrum der Wohnungspolitik stehen.
Die rund 200.000 genossenschaftlichen Wohnungen werden als wichtige Pfeiler der sozialen Wohnraumversorgung und als mietpreisdämpfend anerkannt. Die Linke will die Genossenschaftsförderung aufstocken und reformieren sowie erneut eine*n Genossenschaftsbeauftragte*n berufen, um den Genossenschaftsdialog wieder aufzunehmen.
Um kleinere Genossenschaften und alternative gemeinwohlorientierte Träger wie das Mietshäusersyndikat stärker zu berücksichtigen, soll geprüft werden, ob die Förderung an die inhaltliche Bestimmung der Unternehmen und nicht mehr allein an die Rechtsform gekoppelt wird. Die Förderung soll um Kriterien für Selbstverwaltung, Mitbestimmung und den dauerhaften Ausschluss von Privatisierung ergänzt werden.
Erbbaurechtsverträge und Nachrangdarlehen sollen durch die Investitionsbank Berlin (IBB) als tragfähiges Eigenkapital anerkannt werden. Bei der Wohnungsbauförderung sollen die Fördervorgaben so angepasst werden, dass auch kleinere Genossenschaften oder andere gemeinwohlorientierte Träger Fördermittel abrufen können und in der Konkurrenz mit privaten Bauherren nicht benachteiligt werden.
Der Zugang zu landeseigenen Grundstücken soll verbessert werden, wobei Flächen per Erbpacht zu Bedingungen vergeben werden sollen, die sich am erzielbaren Ertrag mit preisgünstigen Wohnungen orientieren. In den neuen Stadtquartieren sollen Grundstücke reserviert und die Idee eines Genossenschaftscampus neu belebt werden.
Die Linke will das bundesweit erste Institut sowie einen neuen Studiengang für gemeinnützige Wohnungswirtschaft aufbauen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für landeseigene, genossenschaftliche und gemeinwohlorientierte Unternehmen auszubilden.
Internationale Bauausstellung: Elementare Grundsätze einer möglichen Internationalen Bauausstellung beinhalten für die Linke den Vorrang von Umbau und Sanierung vor Abriss sowie von Neubau mit dauerhaft bezahlbaren Mieten durch gemeinwohlorientierte Träger — insbesondere Landeseigene Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Stiftungen oder das Mietshäusersyndikat.

Die SPD: „Bauen, bauen, bauen“ – Genossenschaften als Baupartner

Der Fokus liegt auf Volumen und Bauleistung, weniger auf struktureller Neuausrichtung. Die SPD behandelt Genossenschaften als verlässlichen Baupartner der öffentlichen Hand, ohne ihnen eine eigenständige ordnungspolitische Funktion zuzuweisen. Der Schwerpunkt liegt auf Bauleistung und Flächenzugang, nicht auf institutioneller Stärkung der Genossenschaftsbewegung.
So will die SPD, dass künftig mehr als die Hälfte aller neuen Wohnungen bei landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und anderen gemeinwohlorientierten Unternehmen entsteht. Dafür wird ein öffentliches Wohnungsbauprogramm aufgelegt, das bis 2031 insgesamt 100.000 neue Wohnungen ermöglichen soll.
Die Förderung für Genossenschaften soll weiterentwickelt und zur zweiten Säule des öffentlichen Wohnungsbauprogramms werden. Dafür werden geeignete landeseigene Flächen bereitgestellt und der Zugang vor allem über Erbbaurecht ermöglicht, das grundsätzlich als eigentumsgleich anerkannt wird. Voraussetzung bleibt eine dauerhafte Bestandshaltung und soziale Bewirtschaftung.
(Transparenzhinweis: Textrecherche und -erstellung unter Zuhilfenahme einer KI)

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