Neuer Minus-Rekord in der Genossenschaftsförderung
Das Senatsprogramm zum Erwerb von Genossenschaftsanteilen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein hat seit dem Start 2018 die Zielgruppe verfehlt. Es gab kaum Bewilligungen. So wurden 2025 nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen 0 – in Worten – Null Euro bewilligt. Das zeigt die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen Abgeordneten Katrin Schmidberger.
Seit 2021 wurden den Angaben zufolge nur 21 Fälle gefördert – eine absurd geringe Zahl angesichts des Problems, vor dem gerade Menschen stehen, die eine Genossenschaft gründen oder in eine neue Genossenschaft ziehen wollen. Da neue Genossenschaften kein Kapital im Rücken haben, müssen sie teure Geschäftsanteile von den Wohnenden nehmen, um einigermaßen erträgliche monatliche Nutzungsentgelte zu erreichen. Das hat zu einer starken Mittelschichtsorientierung in neuen Genossenschaften geführt. Mit dem Förderprogramm sollte auch Menschen mit niedrigerem Einkommen das Wohnen in einer Genossenschaft ermöglicht werden (ein anderes Modell siehe hier). Das Scheitern des Programms war von Anfang vorausgesagt worden, da es die Kreditwürdigkeit der Fördergeldempfänger voraussetzte, ein Kriterium, dass das Gros der Zielgruppe nicht erfüllen konnte – ansonsten wären sie nicht auf WBS angewiesen (mehr hier). Dies wurde mit der Antwort auf die parlamentarische Anfrage bestätigt. Die häufigsten Ablehnungsgründe, so die Senatsverwaltung seien „Kein nachhaltiges Einkommen (Sozialleistungen, befristete Arbeitsverträge, Student:innen)“ und „Rechnerische monatliche Unterdeckung“.
pdf-Dokument hier: https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-26655.pdf

Die Diskussion um den Volksentscheid bietet eine große Chance, wieder über Gemeinwirtschaft zu reden, schrieb Genossenschafter und DWe-Aktivist Ralf Hoffrogge in einem Beitrag für den 2022 im Parthas-Verlag erschienenen Band „Wie Vergesellschaftung gelingt – Zum Stand der Debatte“. Der Beitrag hat an Aktualität nichts verloren: Text als pdf
Wie wollen die Parteien Genossenschaften stärken, welche Rolle sollen Genossenschaften im Wohnungsmarkt spielen? Ein Gang durch die Parteiprogramme von SPD, Grünen und Linken (das CDU-Programm lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor) zeigt: Alle drei Parteien befürworten genossenschaftlichen Wohnungsbau und Erbbaurecht als zentrales Förderinstrument — die Grünen mit einem eigenständigen und strukturell ausgearbeiteten Konzept, die SPD mit dem Schwerpunkt auf Volumen (100.000 Wohnungen), die Linke mit einem Reformansatz zur Entkoppelung der Förderung von der Rechtsform und dem überraschenden Vorschlag für einen Studiengang zur gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Der grundlegende Unterschied: Für die Grünen sind Genossenschaften ein ordnungspolitisches Leitmodell, für die SPD ein Baupartner, für die Linke ein ergänzendes Instrument neben staatlicher Kontrolle und Vergesellschaftung.
Seit Juni ist Eike Roswag-Klinge Präsident der Berliner Architektenkammer. Der freischaffende Architekt und Professor für Baukonstruktion und klimaadaptive Architektur an der TU Berlin betont – wie schon seine Vorgängerin Theresa Keilhacker – die Notwendigkeit ressourcenschonenden Bauens durch verstärkte Investitionen in den Bestand. Nach seiner Vorstellung sollen Genossenschaften eine stärkere Rolle bei der Bereitstellung preiswerten Wohnraums durch „minimalinvasive Maßnahmen“ im Bestand übernehmen. In Berlin gebe es viel Leerstand: „Wenn wir nur Teile davon aktivieren würden, könnten wir unseren Wohnungsbedarf längst decken.“ (Foto: Unsplash/Etienne Girardet) 

Genossenschaften stecken ihre Überschüsse in die Instandhaltung von Wohnungen, Landeseigene in den Ausbau ihrer Bestände, und die Wiener Wohnen macht keine Überschüsse, sondern nimmt nur die Kostenmiete und sichert den sozialen Versorgungsauftrag. Das ist – sehr grob skizziert – das Ergebnis der Studie zu den Bewirtschaftungskosten öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen, die Andrej Holm am 25.10.24 auf einer gut besuchten Veranstaltung der GENOSSENSCHAFTER*INNEN vorstellte.